Otávio Portela
Forma Provisória
– Uma Ontologia do Atrito
Provisorische Form
– eine Ontologie der Reibung
Performance de Otávio Portela.
Performance von Otávio Portela.
Kiel, Alemanha. Em breve.
Kiel, demnächst.
Die Performance versteht den Körper nicht als abgeschlossene Form oder Träger einer festen Identität, sondern als einen Prozess kontinuierlicher Aushandlung. Verkörperung erscheint dabei als ein Feld, in dem sich historische, soziale und affektive Kräfte einschreiben und zugleich transformieren lassen. Der Körper wird nicht als statisches Objekt betrachtet, sondern als relationale Struktur, die sich fortwährend im Spannungsverhältnis zwischen Widerstand und Anpassung, Sichtbarkeit und Entzug sowie Stabilität und Veränderung konstituiert.
Ausgangspunkt der Arbeit ist die Materialität des Tons. Seine Form entsteht weder autonom noch endgültig, sondern durch Berührung, Druck und kontinuierliche Veränderung. In ähnlicher Weise wird der Körper als lebendiges Material verstanden – offen für die Kräfte, die ihn hervorbringen, formen und disziplinieren, zugleich aber fähig, diesen Einschreibungen eigene Bewegungen, Rhythmen und Möglichkeiten entgegenzusetzen. Identität erscheint hier nicht als gegebener Zustand, sondern als ein fortwährender Prozess des Werdens.
Innerhalb dieser Perspektive wird Bewegung zu einer Form der Wissensproduktion. Choreografie beschreibt nicht die Organisation von Bewegung im Raum, sondern die Hervorbringung von Beziehungen zwischen Körpern, Materialien, Architekturen und Erinnerungen. Der Körper trägt Erfahrungen in sich, die sich einer rein sprachlichen Artikulation entziehen und sich stattdessen in Gesten, Rhythmen, Atem, Gewicht und Berührung manifestieren. Gerade in dieser Verkörperung entsteht ein Raum, in dem individuelle Erfahrung und kollektive Geschichte miteinander in Beziehung treten.
Die Performance entwickelt sich als ortsspezifische Konstellation, in der Körper, Material und Raum ein gemeinsames Wahrnehmungsfeld erzeugen. Das Publikum bleibt dabei nicht bloßer Beobachter, sondern wird Teil einer räumlichen und affektiven Situation, in der Wahrnehmung nicht vorausgesetzt, sondern gemeinsam hervorgebracht wird. Die Arbeit versteht den Ausstellungsraum als einen Ort, an dem sich Beziehungen temporär neu organisieren und unterschiedliche Formen von Präsenz, Nähe und Öffentlichkeit erfahrbar werden.
So stellt die Performance weniger die Frage, was ein Körper ist, als vielmehr, was ein Körper in Beziehung zu anderen Körpern, Materialien und Räumen hervorbringen kann. Sie eröffnet einen Erfahrungsraum, in dem Wahrnehmung, Erinnerung und Imagination nicht voneinander getrennt erscheinen, sondern sich als miteinander verflochtene Formen ästhetischer und gesellschaftlicher Erkenntnis entfalten.
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A performance compreende o corpo não como uma forma acabada ou como portador de uma identidade fixa, mas como um processo contínuo de negociação e transformação. A corporeidade é entendida como um campo no qual forças históricas, sociais e afetivas se inscrevem e, ao mesmo tempo, podem ser reconfiguradas. O corpo deixa de ser concebido como um objeto estático para tornar-se uma estrutura relacional, constituída permanentemente na tensão entre resistência e adaptação, visibilidade e opacidade, estabilidade e transformação.
O ponto de partida da obra é a materialidade da argila. Sua forma não surge de maneira autônoma nem definitiva, mas é continuamente produzida pelo toque, pela pressão e pela ação do tempo. Da mesma forma, o corpo é pensado como uma matéria viva, permeável às forças que o constituem, moldam e disciplinam, mas igualmente capaz de responder a essas inscrições por meio de seus próprios ritmos, gestos e possibilidades. A identidade não se apresenta como um estado concluído, mas como um processo permanente de devir.
Nessa perspectiva, o movimento constitui uma forma de produção de conhecimento. A coreografia deixa de ser entendida como a organização de movimentos no espaço para tornar-se uma prática relacional que produz encontros entre corpos, materiais, arquiteturas e memórias. O corpo carrega experiências que escapam à linguagem discursiva e se manifestam no gesto, na respiração, no peso, no ritmo e no contato. É precisamente nessa dimensão incorporada que experiência individual e memória coletiva passam a coexistir como formas de conhecimento.
A performance desenvolve-se como uma configuração site-specific, na qual corpo, matéria e espaço constituem um campo compartilhado de percepção. O público deixa de ocupar a posição de mero observador para integrar uma situação espacial e afetiva em que a percepção não é pressuposta, mas produzida coletivamente. O espaço expositivo é compreendido como um lugar onde relações podem ser temporariamente reorganizadas e onde diferentes formas de presença, proximidade e esfera pública tornam-se sensíveis.
Assim, a performance desloca a pergunta do que um corpo é para aquilo que um corpo pode produzir em relação a outros corpos, materiais e espaços. Ela propõe um campo de experiência no qual percepção, memória e imaginação não aparecem como categorias separadas, mas como dimensões interdependentes de uma mesma prática estética, política e epistemológica.
Otávio Portela
Otávio Portela (*1989, Salvador, Bahia, Brasilien) ist Tänzer, Choreograf und bildender Künstler. Er lebt und arbeitet in Berlin.
Seine künstlerische Praxis bewegt sich an den Schnittstellen von Choreografie, Performance und bildender Kunst und entwickelt sich aus einem transdisziplinären Forschungsfeld, das Black Studies, afro-diasporische Performance sowie dekoloniale Ästhetiken miteinander in Beziehung setzt. Im Zentrum seiner Arbeit steht die Poetik des Schwarzen Körpers als Ort verkörperter Erinnerung, historischer Einschreibung und zukünftiger Imagination.
Ausgehend von den Erfahrungen diasporischer Existenz versteht Portela Choreografie nicht primär als Komposition von Bewegung, sondern als relationale Praxis der Wissensproduktion. Der Körper erscheint in seinen Arbeiten als sensibles politisches Terrain, auf dem sich Fragen von Zugehörigkeit, Migration, Gewalt, Affekt und Widerständigkeit materialisieren. Performance wird dabei zu einem Medium, das Wahrnehmung, Raum und soziale Beziehungen nicht lediglich reflektiert, sondern aktiv neu organisiert.
In seinen Arbeiten verbindet Portela Performance, Choreografie, Video und Fotografie zu offenen Versuchsanordnungen, in denen ästhetische Erfahrung und kritische Reflexion untrennbar miteinander verschränkt sind. Seine künstlerische Forschung untersucht, wie verkörpertes Wissen gesellschaftliche Ordnungen sichtbar machen, irritieren und transformieren kann und welche Potenziale performative Praktiken für dekoloniale Formen des Denkens, Erinnerns und Zusammenlebens eröffnen.
Seine choreografische Laufbahn führte ihn zunächst als Tänzer auf internationale Bühnen und Festivals. Er interpretierte Werke bedeutender Choreografen wie Nacho Duato, Goyo Montero, Marco Goecke, Édouard Lock, Richard Siegal und Shahar Binyamini und arbeitete mit Compagnien in Brasilien und Europa zusammen. Diese langjährige Auseinandersetzung mit unterschiedlichen choreografischen Sprachen bildet heute einen wesentlichen Resonanzraum seiner eigenständigen künstlerischen Praxis, in der sich choreografisches Denken zunehmend in den Kontext zeitgenössischer Kunst und installativer Performance erweitert.
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