Tschüß,

Doris.

Voller Trauer und in großer Dankbarkeit teilen wir mit, dass Doris Rüstig-Ladewig mit 99 Jahren ihren Lebensweg beendet hat.

Doris Rüstig-Ladewig

– war Malerin, Bildhauerin und Zeichnerin. Geboren in Berlin, entwickelte sie bereits in jungen Jahren eine intensive Auseinandersetzung mit der bildenden Kunst, die ihr gesamtes künstlerisches Schaffen prägte. Früh beeinflusst von den Arbeiten Max Ernsts, Jean Dubuffets sowie den künstlerischen Positionen der CoBrA-Bewegung, entwickelte sie eine eigenständige Bildsprache, die den Menschen in seiner existenziellen, emotionalen und gesellschaftlichen Verfasstheit in den Mittelpunkt stellt.

Ihre künstlerische Ausbildung absolvierte sie an der Hochschule für Angewandte Kunst sowie an der Hochschule der Künste in Berlin. Zu ihren prägenden Lehrern gehörte Karl Schmidt-Rottluff, dessen Verständnis einer expressiven, unmittelbaren Malerei ihre frühe Entwicklung begleitete, ohne ihre eigenständige künstlerische Position zu bestimmen.

Das Werk Doris Rüstig-Ladewigs umfasst Malerei, Zeichnung, grafische Arbeiten und Skulpturen. Im Zentrum ihres Œuvres stehen der Mensch und seine Beziehung zur Welt – in Porträts, Akten, Landschaften und kulturell geprägten Bildräumen. Charakteristisch ist eine kraftvolle, gestische Malweise, in der Farbe und Pinselstrich nicht allein formbildende Mittel sind, sondern Träger emotionaler und räumlicher Erfahrung. Ihre Arbeiten verbinden expressive Intensität mit einer sensiblen Auseinandersetzung mit Erinnerung, Wahrnehmung und der conditio humana.

Bis zu ihrem Tod im Juli 2026 lebte und arbeitete Doris Rüstig-Ladewig in Norderbrarup, Schleswig-Holstein.

Mit der Gründung der Doris Rüstig-Ladewig Stiftung im Jahr 2000 schuf sie die Grundlage für ein langfristiges Engagement in der Förderung von Kunst und Kultur. Die Stiftung bewahrt, erforscht und vermittelt ihr künstlerisches Werk und versteht dessen Auseinandersetzung mit dem Menschen und seiner Lebenswirklichkeit zugleich als Ausgangspunkt für den Dialog mit zeitgenössischen künstlerischen Positionen. Heute wird die Stiftung vom Vorstand mit Sitz in Kiel geführt.

Unsere Arbeit:

Die Doris Rüstig-Ladewig Stiftung versteht Kunst als eine Form der Forschung – als ästhetische Praxis, die neue Formen des Wahrnehmens, Denkens und Zusammenlebens hervorbringt. Sie begreift künstlerische Produktion nicht als Abbild gesellschaftlicher Wirklichkeit, sondern als eigenständige Form der Wissensproduktion, in der ästhetische Erfahrung und kritische Reflexion untrennbar miteinander verbunden sind.

Ausgehend vom künstlerischen Werk Doris Rüstig-Ladewigs entwickelt die Stiftung ein internationales Förderprogramm für zeitgenössische Kunst an den Schnittstellen von bildender Kunst, Performance, Choreografie und transdisziplinärer Forschung. Im Mittelpunkt stehen künstlerische Positionen, die sich mit Fragen von Körper, Erinnerung, Materialität, Raum und gesellschaftlicher Transformation auseinandersetzen und neue ästhetische Perspektiven auf die Gegenwart eröffnen.

Die Stiftung versteht den Ausstellungsraum nicht ausschließlich als Ort der Präsentation, sondern als Raum der Begegnung, der Aushandlung und der Erkenntnis. Sie initiiert und begleitet Ausstellungen, ortsspezifische Projekte, Performances sowie diskursive Formate, in denen sich künstlerische Praxis, wissenschaftliche Forschung und gesellschaftlicher Dialog gegenseitig bereichern.

Ein besonderes Interesse gilt transnationalen Perspektiven und künstlerischen Praktiken, die etablierte disziplinäre und kulturelle Grenzen überschreiten. Die Stiftung fördert Arbeiten, die verkörpertes Wissen, kollektive Erinnerung und neue Formen sozialer Imagination sichtbar machen und den Ausstellungsraum als Ort ästhetischer und gesellschaftlicher Erfahrung neu denken.

Die wissenschaftliche Erschließung, Bewahrung und Vermittlung des Werkes Doris Rüstig-Ladewigs bildet dabei den Ausgangspunkt einer kontinuierlichen Auseinandersetzung mit den Fragestellungen zeitgenössischer Kunst. Das historische Werk wird nicht als abgeschlossener Bestand verstanden, sondern als lebendiger Resonanzraum, der in einen Dialog mit gegenwärtigen künstlerischen Positionen tritt und neue Perspektiven auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft eröffnet.

Die Doris Rüstig-Ladewig Stiftung versteht sich als kuratorische Plattform für künstlerische Forschung, internationalen Austausch und kulturelle Kooperation. Ihr Ziel ist es, Räume zu schaffen, in denen Kunst nicht allein betrachtet, sondern erfahren, befragt und gemeinsam weitergedacht werden kann.

Veranstaltungen

Fast Einhundert
Doris Rüstig-Ladewig

Körnerstr. 31, Kiel
26. August 2026

Vergangene Veranstaltungen

A mesa branca –
Der weiße Tisch

Otávio Portela
Thomas Berg

Galerie der Stiftung, Kiel
Oktober 2024

Akt
Doris Rüstig-Ladewig

Galerie der Stiftung, Kiel
September 2024

Form & Linie
Ekaterina Ezhkova
Elisabeth Laudien

Galerie der Stiftung, Kiel
September 2024

Circadian
Em Krallmann
Doris Rüstig-Ladewig

Topfhaus, Alter Botanischer Garten, Kiel
Oktober 2023

Jan Grollmuß

Galerie der Stiftung, Kiel
September 2023

Masken und Rituale
Chris Rinke,
Doris Rüstig-Ladewig

Galerie der Stiftung, Kiel
September 2020

Landschaften
Doris Rüstig-Ladewig

Galerie der Stiftung, Kiel
September 2019

Die Stifterin:

Ein Portrait,

welches über mehrere Jahre entstanden ist. Immer wieder wurde Doris vom Filmemacher Tim Kallweit aus Berlin mit der Kamera begleitet. Im Rahmen dieser Dokumentation wurden verschiedene Gespräche und Interviews geführt. Dieses 20-minütige Portrait ist das Ergebnis dieser spannenden, berührenden Zusammenarbeit.

Tim Kallweit bei Instagram: @timtellwaki

Unsere Stipendiaten:

2021

Chris Rinke

Geboren 1981 in Berlin, wächst auf in der Inkastadt Cusco in Peru und in Berlin. Ausbildung zum Fotografen in Hamburg. Er lebt in Portugal und arbeitet international als Fotograf für Werbekunden, NGOs und Magazine.

chrisrinke.com
Instagram @popupcam

Sein Projekt: Masken

“Eine Maske, einfach ausgedrückt, ist nur eine neue (andere) Form des Gesichts (Kopfes), die das Aussehen des Trägers absichtlich zu Zwecken der Religion, Trauer, des Schutzes, der Verkleidung der sozialen Akzeptanz, der Unterhaltung usw. verändert. Die Maske ist eine Darstellung des menschlichen Körpers. […]

Die Maske ist an sich eine Konfiguration, bei der die Grenzen des „Ich“ oder der Identität, die wir in der Welt sind, irgendwie verschwinden. Wir sind nicht mehr das Gesicht, das wir jeden Tag im Spiegel betrachten, sondern wir sind das Gesicht der Maske, aber wir sind nicht nur das, wir sind die Darstellung und ein Teil der Maske, die wir tragen. Wir verwandeln uns in das, was die Maske ist, die wir verwenden, oder zumindest versuchen wir es zu tun.

In der Dogon-Mythologie enthalten die Masken (Kananga) geometrische Muster. Diese Masken repräsentieren die ersten Menschen. Sie [die Dogon] glauben, dass der Dama-Tanz eine Brücke in die übernatürliche Welt schlägt. Ohne den Dama-Tanz können die Toten nicht in Frieden übergehen. Die Awa ist ein Totenkult, dessen Ziel es ist, die durch den Tod von Nommo, einem mythologischen Vorfahren von großer Bedeutung für die Dogon, gestörten geistigen Kräfte neu zu ordnen. Mitglieder des Awa-Kultes tanzen mit kunstvoll geschnitzten und bemalten Masken während der Trauerfeier und der Feierlichkeiten zum Todestag. Es gibt 78 verschiedene Arten von Ritualmasken unter den Dogon und ihre ikonografischen Botschaften gehen über die Ästhetik hinaus in den Bereich der Religion und Philosophie. […]

Die Idee eines Kostüms ist nichts anderes als die Möglichkeit, eine Rolle zu spielen, die ohne das Interpretationsspiel nicht vorhanden wäre.

Meine Motivation für dieses Projekt ist, die Tradition zu dokumentieren und zu zelebrieren.

Die Förderung der Stiftung werde ich einsetzen, um weitere Aufnahmen vor Ort in Afrika und Südamerika machen zu können.”

2023

Jan Grollmuß

Geboren 1987 in Kiel, Absolvent der Muthesius Kunsthochschule. Seit 2020 arbeitet er als freier Künstler, Maler und Lehrbeauftragter für Maltechnik an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel.

Instagram @jan.grollmuss

Sein Projekt: Vibraphon/Pattern

“Schon bevor ich schreiben oder zeichnen gelernt habe, durfte ich mich mit der Erzeugung von Tönen auseinandersetzen. Daher spiele ich mein ganzes Leben intuitiv viele Musikinstrumente: hauptsächlich Gitarre, Bass und Klavier, aber auch Cello, Synthesizer und Glockenspiel.

Nach der handwerklichen Ausbildung zum Maler habe ich mich dann für ein Studium der Bildenden Kunst entschieden, nicht für Musik. In der Basisklasse bereits betrieb ich mit großem Aufwand Studien, die musikalische Schwingungen in Farbwahrnehmung zu übertragen versuchen. Meine Vorbilder reichen über Goethe hinaus, bis zu Yannis Xenakis oder John Cage.

Nun gilt es, neben Anschaffung von Literatur (glücklicherweise gibt es Bibliotheken), eigene Erfahrungen zu machen, Vergleiche anzustellen und über Annäherungen und Skizzen eigene Arbeiten zu entwickeln.

Diese will ich kompositorisch mit meinen vernähten Bildern in Verbindung bringen.

Pattern – wie ich einzelne Teile einer vernähten Leinwand nenne, heißen im Musikjargon ebenfalls so und benennen zusammengefügte Einzelstücke.

Ich möchte also eine oder mehrere meiner Stoffarbeiten probieren zu vertonen, und herausfinden wie eine geeignete Präsentationsform dazu aussehen kann.

Ob mir dieses gelingt oder es wie bisher für mich zwei verschiedene Disziplinen bleiben, sehen wir spätestens bei einer Ausstellung, die ich mir in den Räumen in der Körnerstraße vorstellen kann.

Dies wäre mein Weg aus unkonkreten Vorhaben oder theoretischen Sätzen eine erfahrbare Präsentation zu erarbeiten.

Ich glaube, dass die individuelle Förderung an dieser Stelle mit dem genannten Thema genau richtig ist um meine künstlerische Professionalisierung nach dem Studium weiter voranzutreiben.

Diese unterstützt die theoretische Auseinandersetzung zu eigenen Arbeiten, wie auch die Konzentrationsförderung neue Bilder zu generieren.”

2022

Em Krallmann

Geboren 1988 in Hannover, Studium in Kiel, Leipzig, Nantes, Abschluss an der Muthesius Kunsthochschule. Selbständig mit Kalligrafie, Händigkeitstestung und einer Dozentur für Kalligrafie und Schriftgeschichte an der Muthesius Kunsthochschule in Kiel und anderen Hochschulen.

scriptmar.com
Instagram @scriptmar

Das Projekt: Diaries

“Im Moment, in dem die Feder auf dem Papier landet, schreibe ich den Buchstaben und dann den nächsten. Mein Gehirn ist dann jeder Logik entbunden — ich gebe meinem Unterbewusstsein den Raum, sich zu äußern. Was dabei herauskommt ist mein Tagebuch — meine so privaten Gedanken, die selbst vor mir zu Teilen versteckt waren. Farben und Formen ergeben sich dabei in einem intrinsischen Entscheidungsprozess.

Mein Ansinnen: Das Schreiben zu seinem Ursprung zurückzuführen. Das Schreiben als Veräußerung als akutes nach Außen-Setzen meines Inneren. Deshalb: Tagebuch oder »Diary« — denn erstaunlicher weise fließt es bei mir meistens auf englisch. »I gave you all the things I mean another« oder »finding out o super« sind solche versteckten Botschaften an mich selbst.

In der Umsetzung kann ich sie wieder lesen — für die Betrachter*innen entsteht vielmehr ein abstraktes Formenspiel, das Schrift andeutet aber verundeutlicht. So halte ich selbst in der Öffentlichkeit mein Tagebuch geheim und versteckt.

Ich möchte das Stipendium der Doris Rüstig-Ladewig Stiftung nutzen, um hier noch weiter zu entdecken und den noch jungen Prozess weiter zu verfolgen.”

2024

Otávio Portela

Geboren 1989 in Salvador de Bahia, Brasilien und aufgewachsen in São Paulo, arbeitete er in verschiedenen Tanzkompagnien in Brasilien, den USA und Europa, u.a. dem Chaillot Théâtre National de la Danse in Paris. Er lebt und arbeitet in Berlin.

Instagram @otavio.portela

Sein Projekt: A mesa branca

“Am Anfang steht ein leerer weißer Tisch in einem leeren weißen Raum in gleißendem weißen Licht. Eine arthropodische Figur nimmt den Raum ein. Die Kamera beobachtet aus einer festen Perspektive.

Jeder Anfang oder Neustart ist ein Moment, in dem sich Möglichkeiten ergeben, neue Erzählungen zu schaffen, die unserer Existenz einen Sinn geben. Sei es aus Instinkt oder aus dem Bedürfnis heraus, etwas zu beginnen, ohne zu wissen, weshalb oder wozu.

Wenn wir versuchen, etwas zu beginnen, ohne genau zu wissen, was es ist, ergreifen wir die Gelegenheit, echte Dinge ins Leben zu rufen, die, einmal geschaffen, Gestalt und Identität annehmen.

Die Begegnung als kreatives Motiv.

Der Instinkt als Werkzeug des Handelns.”

Stipendium 2024, Performance:
A Mesa branca – Otávio Portela

Im Oktober 2024 ermöglichte die Stiftung die Tanzperformance A mesa branca – der weiße Tisch in den Räumen in der Körnerstraße in Kiel. Begleitet und fotografisch dokumentiert wurde die Performance von Thomas Berg.

Stipendium 2022, Ausstellung & Performance:
Circadian – Em Krallmann

Im Oktober 2023 ermöglichte die Stiftung die Arbeit “Circadian” von Em Krallmann im Alten Botanischen Garten und dem dazugehörigen Topfhaus in Kiel. Der Film zeigt zusammenfassend die geförderte künstlerische Arbeit.